Klima und Gesundheit

Die Erderwärmung nimmt zu – dieser Weg führt in eine Katastrophe

• Während der letzten 10.000 Jahre schwankte die mittlere Erdtemperatur nie mehr als um 2 Grad C. Dieses stabile Klima war die Voraussetzung für die Entwicklung menschlicher Zivilisation.

• Seit 1850 hat die globale Durchschnittstemperatur um 1,4°C zugenommen – mit steigender Tendenz[1]. Seit dem Pariser Klimaabkommen (2015) wird deshalb angestrebt, die Erderwärmung auf 1.5 Grad zu begrenzen.

• Die Entwicklung geht in eine andere Richtung: Es wird mit einem Temperaturanstieg von mehr als drei Grad gerechnet.[2] Bis 2100 soll die Erde um 4-5 Grad[3] wärmer sein – wenn die CO-2 Emissionen weiter steigen.

• Deutschland zum Beispiel hält seine selbst gesteckten Klimaziele nicht ein. Die Bundesregierung wollte die Treibhausgase bis zum Jahr 2020 um mindestens 40 Prozent (gegenüber 1990) senken. Es werden aber nur etwa 32 Prozent erreicht. Bis 2030 sollen 55 Prozent weniger Klimagase emittiert werden, bis 2050 sogar 80 bis 95 Prozent.

• Mit weiterer Erderwärmung droht ein irreversibler Klimakollaps durch die Überschreitung von wichtigen Kipp-Punkten – wie dem Auftauen des Permafrostes, dem Schmelzen des Grönlandeisschildes oder dem Niederbrennen des Regenwaldes. Die Folgen führen in eine Heisszeit mit dramatischen, lebensbedrohlichen Folgen, zum Beispiel dem Anstieg des Meeresspiegels um 7 Meter und dem ökologischen Zusammenbruch vieler Lebensräume.

• Nur wenn der weltweite CO-2 Ausstoß bis 2030 um etwa die Hälfte (45%) und bis 2050 auf Null reduziert wird, stehen die Chancen, innerhalb der 1.5 Grad-Zieles zu bleiben, bei etwa 50 Prozent. Will man die Chance erhöhen, müsste bereits 2040 Klimaneutralität vorliegen.

• Derzeit steigen die Emissionen immer noch. Eine Klimakatastrophe kann nur noch durch entschlossenes Handeln gebremst werden. Das Zeitfenster dafür schließt sich immer mehr. Der Weltklimarat betont: „Die globale Erwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, erfordert rasche, weitreichende und beispiellose Veränderungen in sämtlichen Bereichen der Gesellschaft“.

Was hat der Klimawandel mit Gesundheit zu tun?

• Der Mensch lebt nicht isoliert auf diesem Planeten, sondern in Abhängigkeit und verbunden mit den vielen verschiedenen Lebenssystemen in Wasser, Luft und Erde. Alle sind durch die Klimakrise bedroht – und damit auch die Gesundheit des Menschen. Ohne Gesundheit der Erde kann es keine Gesundheit ihrer Bewohner geben („planetary health“).

• Die Erderwärmung führt zum Anstieg des Meeresspiegels mit Überschwemmungen der Küstenregionen sowie zu Extremwetterereignissen wie Stürmen, Starkregen, Hitzeperioden und Dürren. Die Folgen sind zerstörte Infrastrukturen, Nahrungs- und Wassermangel, politische und soziale Instabilität, Ressourcenkonflikte, Flucht und Vertreibung. Alle diese Faktoren haben grundlegenden Einfluss auf die menschliche Gesundheit und das Wohlergehen.

• Der Klimawandel wirkt auch heute schon auf die Gesundheit der Menschen in Deutschland: durch erhöhte Sterblichkeit und Morbidität durch Hitze und Luftverschmutzung (vor allem durch Feinstaub). Luftverschmutzung und Klimawandel haben eine gemeinsame Ursache: die Verbrennung fossiler Energien.

• Die Luftverschmutzung verkürzt die durchschnittliche Lebenszeit eines Europäers im Durchschnitt um zwei Jahre.  Sie ist das größte umweltbedingte Risiko für die Gesundheit und trägt signifikant zu Herz-Kreislauf, Atemwegs- und Lungenerkrankungen sowie Asthma bei. Für eine Vielzahl weiterer Erkrankungen werden Zusammenhänge angenommen.

• Die Erderwärmung führt zu einer Intensivierung von Allergien und zur Verlängerung der Expositionszeiten. Übertragbare Krankheiten wie Malaria, Dengue Fieber und Vibrionen (zum Beispiel in der Ostsee) erhalten größere Verbreitung.

• Die Klimakrise trifft insbesondere die Verletzlichsten (ältere und behinderte Menschen, solche mit Vorerkrankungen, Kinder und Schwangere). Sie hat Folgen vor allem für die Länder, die am wenigsten zur Klimakrise beigetragen haben. Klimagerechtigkeit muss an oberster Stelle stehen.

• Der Lancet Comission 2015 spricht davon, dass der Klimawandel die Erfolge bei der globalen Gesundheit der letzten Jahrzehnte gefährdet.

• Die ökonomischen Klimafolgekosten werden ein Mehrfaches der Kosten für Klimaschutz betragen[4]. Auch die Gesundheitskosten des Nichthandelns können die Kosten für Klimaschutz deutlich übertreffen[5]. Die Subventionen der G20 Regierungen für fossile Energieunternehmen im Jahre 2014 waren mindestens sechs mal so hoch wie die Folgekosten für die Gesundheit durch die Nutzung dieser Brennstoffe[6].

• Die gute Nachricht: Viele Klimaschutzmaßnahmen sind gleichzeitig von Vorteil für die Gesundheit. Saubere Luft, mehr aktive Bewegung, fleischarme Ernährung, grünere autofreie Städte und eine intakte Natur schützen den gesamten Planeten.


[1] Sonderbericht des Weltklimarates IPCC, August 2019

[2] IPCC Bericht 2014

[3]  IPCC Bericht 2014;Weltorganisation für Meteorologie (WMO), Statement on the State of the Climate Report, November 2018

[4]  Stern Report (Stern Review on the Economics of Climate change), Oktober 2006

[5] WHO/COP 24 Special Report on Health and Climate Change, Dezember 2018

[6] COP24: Briefing for UNFCCC Negotiators on Incorporating Health into the Climate Regime, 2018