AM 01. AUGUST 2026 AB 17.30 UHR IN AACHEN
Krankenhäuser laufen heiß
Wir fordern: effektiver Hitzeschutz jetzt!
Gesundheit darf nicht davon abhängen, wie hoch das Thermometer steigt. Und Arbeitsschutz darf nicht an der Krankenhaustür enden.
Während Kaufhäuser und Büros oft klimatisiert sind, versorgte das Gesundheitspersonal während der vergangenen Hitzewellen kritisch kranke Menschen bei deutlich über 30° C Innenraumtemperatur. In Krankenhäusern unserer Region existiert keine flächendeckende Klimatisierung. Baulicher Hitzeschutz ist nicht ausreichend vorgeschrieben, geschweige denn adäquat finanziert. Für viele Menschen sind diese Temperaturen lebensbedrohlich.
Rettungsdienst, Pflegeeinrichtungen, Krankenhäuser, ambulante Praxen und Pflegedienste waren in der Hitze über dem Limit und damit die Versorgung der Bevölkerung in Gefahr. In 8- bis 24-Stunden-Schichten kämpften wir täglich um jede:n einzelne:n Patient:in – im Krankenhaus ohne zusätzliches Personal und ausreichende Erholungszeiten.
Aus der Forschung wissen wir, dass mit jedem zusätzlichen Grad Raumtemperatur gleichzeitig auch unsere kognitive Leistungsfähigkeit rapide abnimmt – in Bereichen, in denen unter Zeitdruck lebenswichtige Entscheidungen getroffen werden, hat das weitreichende Konsequenzen, die wir alle tragen müssen. Zusätzlich haben besonders Pflegefachpersonen, Reinigungspersonal, Therapeut:innen, Hebammen und der Rettungsdienst eine körperlich hohe Arbeitsbelastung.
Die letzten heißen Wochen zeigen in brutaler Eindrücklichkeit: Die Folgen extremer Hitze sind längst keine abstrakte Zukunftsprognose mehr. Am letzten Juni-Wochenende haben viele von uns selbst mehrere Todesfälle im Zusammenhang mit der außergewöhnlichen Hitze erlebt. Damit wurde die Übersterblichkeit durch Hitze für uns schmerzhaft real und direkt greifbar. Die vorläufige Statistik des RKI für die erste extreme Hitzewoche des Jahres verzeichnet Sterbefälle ähnlich der Maximalwerte während der Covid-Pandemie.
Nach wissenschaftlichen Prognosen werden Hitzewellen noch häufiger, länger und intensiver auftreten, zusammen mit weiteren Gesundheitsbelastungen wie Wasserknappheit und Luftverschmutzung. Hitzeschutz und Klimaschutz werden dennoch oft getrennt behandelt oder sogar gegeneinander ausgespielt. Doch wir wissen: so wichtig Hitzeschutz ist, unsere Anpassungsfähigkeit ist begrenzt. Also müssen wir gleichzeitig ganz schnell weg von dem, was die Hitzekatastrophe global und hier vor Ort immer weiter anheizt: Verbrennen von fossilen Energien. In der Medizin sind wir gut darin, mehrere lebensbedrohliche, zeitkritische Probleme gleichzeitig zu behandeln. Ein Leitsatz in der Notfallmedizin ist: „treat first what kills first“. Wir wissen auch: Wenn wir die Ursache nicht behandeln, kommen all unsere Bemühungen schnell an ihre Grenzen.
Fürs Gesundheitssystem bedeutet das: Hitzeschutz jetzt. Ernsthaft und umfassend, denn es geht um Leben und Tod, und jede Maßnahme von heute zahlt sich morgen doppelt aus. Nutzen Sie all unser gesellschaftliches Wissen und Erfahrungen aus den Nachbarländern und gestalten Sie Anpassungsmaßnahmen intelligent und ressourcensparend. Wir können uns nicht leisten, das Problem auf Morgen zu verschieben. Nachhaltige, widerstandsfähige Gesundheitseinrichtungen sind ein zentraler Baustein auf dem Weg in eine gesunde Zukunft. Krankenhäuser gehören auch in Hitzekrisen zur kritischsten Infrastruktur. Sie dürfen weder die Klimakrise weiter anheizen noch in Hitze- oder anderen Naturkatastrophen zu Hotspots werden. Um das zu vermeiden, müssen wir alle an einem Strang ziehen.
Wir appellieren an Sie, schaffen Sie die Rahmenbedingungen (finanziell und strukturell), um eine sichere Versorgung der Menschen bei Hitze sicherzustellen, ganz besonders in den Gesundheitseinrichtungen. Wir wenden uns an alle, die Verantwortung für den Hitzeschutz tragen, stellvertretend an Sie, Frau Schmitz, Herr Laumann und Frau Moll: Hitzewarnungen und Informationsmaterial für die Bevölkerung sind wichtig. Doch das reicht nicht, wenn wir nicht Tausende mehr Hitzetote sehen wollen! Wir fordern:
- Finanzielle Förderung und Vorgaben zu energieeffizienter Klimatisierung sowie von baulichen Hitzeschutzmaßnahmen (u.a. Fassaden- und Dachsanierung, Außenverschattung)
- Ausfallpauschalen für die Absage elektiver Eingriffe ab dem zweiten Tagen mit Hitzewarnstufe zwei zur Schaffung von Raum-, Verlege- und Personalkapazitäten
- Vorbereitungsmaßnahmen, die Hitze als Naturkatastrophe ernst nehmen und entsprechende Einbindung von Gesundheitseinrichtungen in regionale und überregionale Hitzeschutzkonzepte
Die nächste Hitzewelle kommt – die Frage ist nicht ob, sondern wann. Hitze tötet leise. Wir erheben unsere Stimmen für alle Aachener:innen, die die letzte Hitzewelle nicht überlebt haben. Sie sind in ihren Wohnungen gestorben, in Pflegeheimen und in Krankenhäusern.
Gemeinsam appellieren wir an Sie, werden Sie Ihrer Verantwortung gerecht und bringen Sie mit aller Macht die notwendigen Maßnahmen voran, um Gesundheit und Menschen bestmöglich zu schützen.
Gesundheitsfachkräfte fordern: Effektiver Hitzeschutz jetzt!
„Fast tatenlos zuschauen zu müssen, wie jemand, der vor ein paar Tagen noch am Rollator mit seiner Familie spazieren war, am Hitzschlag stirbt, das ist hart.“
– Pflegefachperson Notaufnahme
„In Zimmern der Psychiatrie können aus Sicherheitsgründen auch nachts die Fenster nicht geöffnet werden. Hitze führt zu mehr Nebenwirkungen von Psychopharmaka, Aggressivität und Suizidraten steigen. Für unsere Patient:innen bedeutet Hitze mehr Krisen und hohen zusätzlichen Stress. “
– Arzt Psychiatrie
„In den Patientenzimmern steht die Hitze. Das Risiko für Wundinfektionen ist bei Hitze viel höher. Besonders bei Patienten mit Diabetes oder Gefäßerkrankungen kann das dramatische Folgen haben, bis zur Amputation oder Blutvergiftung.“
– Ärztin Chirurgie
„Bei einer solchen Hitze fallen regelmäßig radiologische Großgeräte (z.B. CT) aus, da das warme Stadtwasser die Geräte nicht mehr ausreichend runterkühlt. Patienten erhalten dann die lebenswichtige Diagnostik im schlimmsten Fall zu spät.“
– Radiologieassistenz
„Man fühlt sich mit dem Problem allein gelassen.“
– Pflegefachperson Kardiologie
„Es macht mich wütend und fassungslos, dass wir in unserem fortschrittlichen Gesundheitssystem nicht in der Lage sind, Risikopatient:innen auf der Normalstation adäquat vor Hitze zu schützen.”
– Ärztin Innere Medizin
Wir fordern aus Aachen: Effektiver Hitzeschutz jetzt!
Zeichne unseren offenen Brief mit, für ein resilienteres Gesundheitssystem und Veränderungen im Hitzeschutz, jetzt:
OFFENER BRIEF: „ES IST ZU HEIß“
—
Pressekontakt Health for Future: presse@healthforfuture.de
