Geschrieben von den H4F-Ortsgruppen Aachen, Münster, Bielefeld und Köln, Juli 2026.
Gesundheit darf nicht davon abhängen, wie hoch das Thermometer steigt. Und Arbeitsschutz darf nicht an der Krankenhaustür enden.
Während Kaufhäuser und Büros oft klimatisiert sind, versorgte das Gesundheitspersonal während der Hitzewelle kritisch kranke Menschen bei deutlich über 30 °C Innenraumtemperatur.
In Krankenhäusern unserer Region existiert keine flächendeckende Klimatisierung. Baulicher Hitzeschutz ist nicht ausreichend vorgeschrieben, geschweige denn adäquat finanziert.
Für viele Menschen sind diese Temperaturen lebensbedrohlich. Rettungsdienst, Pflegeeinrichtungen, Krankenhäuser, ambulante Praxen und Pflegedienste waren über dem Limit und damit war die Versorgung der Bevölkerung in Gefahr. In 8- bis 24-Stunden-Schichten kämpften wir täglich um jede*n einzelne*n Patient*in – ohne zusätzliches Personal und ausreichende Erholungszeiten.
Aus der Forschung wissen wir, dass mit jedem zusätzlichen Grad Raumtemperatur gleichzeitig auch unsere kognitive Leistungsfähigkeit rapide abnimmt – in Bereichen, in denen unter Zeitdruck lebenswichtige Entscheidungen getroffen werden, hat das weitreichende Konsequenzen, die wir alle tragen müssen. Zusätzlich haben besonders Pflegefachpersonen, Therapeut*innen, Reinigungspersonal und der Rettungsdienst eine körperlich hohe Arbeitsbelastung.
Die letzten Tage zeigen in brutaler Eindrücklichkeit: Die Folgen extremer Hitze sind längst keine abstrakte Zukunftsprognose mehr. Am vergangenen Wochenende haben wir mehrere Todesfälle durch die außergewöhnliche Hitze erlebt. Damit wurde die Übersterblichkeit durch Hitze für uns real und direkt greifbar.
„Fast tatenlos zuschauen zu müssen, wie jemand, der vor ein paar Tagen noch am Rollator mit seiner Familie spazieren war, am Hitzschlag stirbt, das ist hart.“ – Pflegefachperson Notaufnahme
„In den Patient*innenzimmern steht die Hitze. Das Risiko für Wundinfektionen ist bei Hitze viel höher. Besonders bei Patient*innen mit Diabetes oder Gefäßerkrankungen kann das dramatische Folgen haben, bis zur Amputation oder Blutvergiftung.“ – Ärztin Chirurgie
„Man fühlt sich mit dem Problem allein gelassen.“– Pflegefachperson Kardiologie
„Bei einer solchen Hitze fallen regelmäßig radiologische Großgeräte (z. B. CT) aus, da das warme Stadtwasser die Geräte nicht mehr ausreichend herunterkühlt. Patient*innen erhalten dann die lebenswichtige Diagnostik im schlimmsten Fall zu spät.“– Radiologieassistenz
“Es macht mich wütend und fassungslos, dass wir in unserem fortschrittlichen Gesundheitssystem nicht in der Lage sind, Risikopatient*innen auf der Normalstation adäquat vor Hitze zu schützen.” – Ärztin für Innere Medizin
Die vorläufige Statistik des RKI für die erste Hitzewoche des Jahres verzeichnet Sterbefälle ähnlich der Maximalwerte während der Covid-Pandemie. In NRW lag die Übersterblichkeit dabei besonders hoch (66 % mehr Todesfälle).
Nach wissenschaftlichen Prognosen werden Hitzewellen noch häufiger, länger und intensiver auftreten. Krankenhäuser gehören in Hitzekrisen zur kritischsten Infrastruktur. Als Gesundheitsfachpersonen stehen wir bei Hitze damit an der Front. Die Gesundheit unserer Patient*innen steht für uns ganz oben.
Deshalb fordern wir die politisch Verantwortlichen auf, die notwendigen finanziellen Mittel bereitzustellen und Rahmenbedingungen zu schaffen, um eine Versorgung der Bevölkerung bei Hitze sicherzustellen:
• Finanzielle Förderung von energieeffizienter Klimatisierung sowie von baulichen Hitzeschutzmaßnahmen (u.a. Fassaden- und Dachsanierung, Außenverschattung)
• Ausfallpauschalen für die Absage elektiver Eingriffe ab dem zweiten Tag mit Hitzewarnstufe zwei zur Schaffung von Raum-, Verlege- und Personalkapazitäten
• Einbindung von Gesundheitseinrichtungen in regionale und überregionale Hitzeschutzkonzepte
Die nächste Hitzewelle kommt – die Frage ist nicht ob, sondern wann.
Hitze tötet leise.
Gemeinsam appellieren wir an alle in Entscheidungspositionen: Werden Sie Ihrer Verantwortung gerecht und setzen Sie sich für die notwendigen Maßnahmen ein, um Gesundheit und Menschen bestmöglich zu schützen!
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Pressekontakt Health for Future: presse@healthforfuture.de
