Offener Brief: Gesundheit im Schwitzkasten – Hitzeschutz im Krankenhaus jetzt!

Sehr geehrter Prof. Dr. Lauterbach,
sehr geehrte Damen und Herren Gesundheitsminister:innen,

uns allen sind als Mitarbeiter:innen in unserem Gesundheitssystem und als Patientinnen und Patienten die Bilder und Berichte der letzten Hitzewellen – 2021 in Kanada, in diesem Jahr in Indien – nahe gegangen und im Gedächtnis geblieben (1,2). Die überfüllten Notaufnahmen, überlastete Rettungsdienste, das stille Sterben einsamer und hilfloser Menschen zu Hause. Hitze ist eine tödliche Gefahr und die Häufigkeit gefährlicher Hitzewellen nimmt durch den Klimawandel zu (3,4).

Gleichzeitig müssen wir feststellen: unser Gesundheitssystem ist auf diese Situation nicht vorbereitet. Bei einer über Tage andauernden Hitzepersistenz kommt es zu einem stark erhöhten Aufkommen von akut Erkrankten und Hilfesuchenden und simultan zur reduzierten körperlichen Leistungsfähigkeit des Personals (5, 6, 7). Nach unserer Einschätzung wird das Ausmaß der Bedrohung bisher von vielen Entscheidungsträger:innen nicht ausreichend verstanden oder gewürdigt.

Hitze hat vielfältige Auswirkungen auf den menschlichen Organismus und damit auf unser Wohlbefinden und unsere körperliche und psychische Gesundheit (8, 9). Um gesund und leistungsfähig zu sein, müssen wir unsere Körpertemperatur in engen Grenzen konstant halten. Hitze belastet diese Regulationsmechanismen und extreme Hitze kann sie selbst bei ansonsten gesunden Menschen überlasten (10). Dann drohen gesundheitliche Folgen, die von leichter Hitzeerschöpfung durch Flüssigkeitsverlust über Hitzekollaps bis hin zum lebensbedrohlichen Hitzschlag mit Versagen der körpereigenen Temperaturregulation reichen (11). Menschen mit Vorerkrankungen der Lunge, der Nieren und des Herzens sind aus medizinischen Gründen besonders vulnerabel (12, 13). Darüber hinaus gibt es viele Menschen, die sich aus Gründen sozialer Isolation, ökonomischer Benachteiligung oder einer Tätigkeit im Freien schlecht vor Hitze schützen können und daher besonders gefährdet sind (6).

In einer Hitzewelle steigt die Zahl Hitze-assoziierter Erkrankungen ab dem zweiten bis dritten Tag sprunghaft an und damit auch die Inanspruchnahme der Einrichtungen des Gesundheitswesens (5). Die Akutkrankenhäuser mit Notfallversorgung rund um die Uhr tragen hier besondere Verantwortung. Koordinierte Reaktionspläne, Konzepte zum Schutz vulnerabler Patient:innen im Krankenhaus, Anpassung des Belegungsmanagements in Hitzeperioden und angepasste Personalplanung zum Schutz vor Überlastung gibt es allerdings in den wenigstens Kliniken in Deutschland. Im Gegenteil: der stationäre Sektor leidet insbesondere im Akut- und Notfallbereich flächendeckend unter Mangel an Fachpersonal und chronischer Unterfinanzierung durch die Länder.

Wir fordern daher:

  • Die Entwicklung und Etablierung wissenschaftlich fundierter Hitzereaktionspläne für Einrichtungen der stationären Krankenbehandlung
  • Eine verpflichtende Beschäftigung und gesicherte Finanzierung von Klimamanager:innen für alle deutschen Akutkrankenhäuser
  • Ein Investitionsprogramm für gebäudetechnische Maßnahmen zum Hitzeschutz in Kliniken
  • Strenge Überwachung des hitzebezogenen Arbeitsschutzes für Mitarbeiter:innen in Akutkrankenhäusern gemäß der Arbeitsstättenverordnung (14).

Der 125. Deutsche Ärztetag hat sich mit seinen ambitionierten Beschlüssen zum Thema „Klimaschutz ist Gesundheitsschutz“ klar positioniert. Er sieht die Identifikation, Kommunikation und Bekämpfung gesundheitlicher Risiken durch den Klimawandel und seiner Ursachen in Bezug auf das Gesundheitssystem als originär ärztliche Aufgaben. Diese ergeben sich aus der Verantwortung für den Erhalt der natürlichen Lebens- und Gesundheitsgrundlagen. Die Delegierten fordern alle Einrichtungen des Gesundheitswesens und ihre Träger, die Kommunen und die Länder auf, Vorsorge gegenüber den Auswirkungen von Hitzewellen mit extremen Hitzebelastungen durch organisatorische und strukturelle Vorbereitungen und Maßnahmenpläne zu treffen.

Lassen Sie uns gemeinsam daran arbeiten, diese Ziele zu erreichen.

Unterzeichnen Sie hier und bestätigen Ihre Unterschrift, über eine E-Mail die wir Ihnen zusenden.

Offener Brief "Gesundheit im Schwitzkasten – Hitzeschutz im Krankenhaus jetzt!"


Auf der Website hitze.info finden Sie Informationen und Materialien zum Thema Hitzeschutz und Hitzefolgen.

Liste der Unterzeichnenden

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Quellen